Wie der Druck die Welt veränderte

Zuerst eine freche Frage: Hast du im Geschichtsunterricht gut aufgepasst? Dort ging es vor allem um die wichtigen historischen Meilensteine, wie zum Beispiel um die Erfindung des Buchdrucks. Johannes Gutenberg druckte von 1452 bis 1455 das erste Buch der Weltgeschichte, und zwar mitten in Deutschland, in der Stadt Mainz. Von da an ging ein Ruck durch die Welt, denn umfangreiche Schriften mussten nun nicht mehr mühselig per Hand abgeschrieben werden, sondern ließen sich vergleichsweise schnell vervielfältigen. Was die meisten Menschen nicht wissen: Schon lange vor diesem denkwürdigen Ereignis haben die Menschen gedruckt.

Der Blockdruck stammt aus China und ist 1500 Jahre alt

Wahrscheinlich nahm alles in China seinen Anfang, und zwar im 6. Jahrhundert, zur Zeit der Tang-Dynastie. Findige Asiaten fertigten zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte Holzmatrizen an, in deren Oberfläche sie Schriftzeichen und Figuren kerbten. Dann färbten sie die Matrize ein und druckten das Motiv auf Papier. Noch heute schwärmt die chinesische Geschichtsschreibung von dieser begeisterungswürdigen Erfindung! Eine exakte Vervielfältigung von Kunstwerken und Schriften war bis zu diesem Zeitpunkt schlichtweg nicht möglich, es sei denn, jemand begab sich an die zeitraubende, harte Arbeit, alles bis auf den letzten Pinselstrich abzumalen.

Stempeltechnik in Europa, erste Holzbuchstaben in China

In Europa herrschte damals die Stempeltechnik vor: Seit dem auslaufenden 4. Jahrhundert nutzten die Menschen Stempel aus Metall oder Stein, um Buchstaben und Symbole zu drucken. Sie verzierten auf diese Weise Stoffe, Töpfe und Ziegelsteine mit regelmäßigen, ästhetischen Mustern. Auch im alten Rom setzten die Handwerker auf dieses Verfahren, das sich bereits im alten Ägypten und in Mesopotamien großer Beliebtheit erfreute. Schließlich ist es sehr viel einfacher, beispielsweise eine Tischdecke oder ein Kleid zu bestempeln als mehrere verschiedene Farben einzuweben!

Im Grunde mussten die Leute für die Erfindung des Buchdrucks à la Gutenberg jetzt nur noch eins und eins zusammenzählen, trotzdem dauerte es bis zum ersten Durchbruch noch viele Jahre. Der chinesische Tüftler Wang Zhen schuf 1298 in China stabile Holzbuchstaben, angebracht auf einem komplexen, flexiblen Tafelsystem und wurde so zum Vorläufer des berühmten Mainzers. Gutenberg jedoch verwendete anderthalb Jahrhunderte später Stahlpunzen und hatte damit ein noch robusteres Material gewählt.

Drucken bedeutet heute: kostengünstige Vervielfältigung

Bücher blieben in den Zeiten direkt nach Gutenberg noch relativ teuer, denn das Drucken von Schriften war im Vergleich zu heute mit einem enorm hohen Aufwand verbunden. Noch immer blätterte also ausschließlich die Oberschicht in nagelneuen Büchern, doch es gab noch andere Produkte, die mittels Drucktechnik entstanden, zum Beispiel Spielkarten. Fälschlicherweise kommt immer wieder die Behauptung auf, dass Marco Polo sie aus Asien nach Europa importierte. Doch ganz egal, welche Rolle der berühmte Entdecker auch spielte, die Karten verbreiteten sich im später Mittelalter rasch über ganz Europa, ausgehend von Italien.

Damals waren sie noch liebevoll handgefertigt, heute gehören sie zu den ganz normalen per Maschinendruck erzeugten Produkten. An ihrem Beispiel lässt sich gut erkennen, wie sehr eine einfache Drucktechnik zur Ausbreitung von bestimmten Dingen beiträgt. Kartensets waren damals teuer, heute sind sie geradezu billig oder zumindest preisgünstig. Wer damals sein einziges Kartenset ein Leben lang hegte und pflegte, würde in der modernen Welt wahrscheinlich fünf oder sechs zugleich besitzen. Ganz genauso ergeht es uns mit Büchern, die früher beinahe den Kronjuwelen glichen und heute teilweise auf Wühltischen liegen.

Vom Buchdruck über die Bildung bis zur Informationsfreiheit

Als der Buchdruck immer mehr verbessert wurde und allmählich Fahrt aufnahm, erhielt auch die ärmere Bevölkerung zunehmend Zugang zu Informationen und Bildung. Im 19. Jahrhundert waren Schulbücher schon etwas ganz Normales, und beinahe jeder Mensch lernte in Europa fleißig lesen. Das industrielle Zeitalter brachte Scharen von Arbeitern hervor, die eine solide Grundbildung besaßen und sich problemlos schriftlich verständigen konnten. Schuld daran waren nicht zuletzt die weitverbreiteten Bücher, die allmählich zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens gehörten. Doch natürlich nutzten die ärmeren Schichten nun auch die Schrift dazu, Widerstand zu üben, Handzettel zu verteilen und kritische Manifeste zu verfassen. Die Meinungshoheit lag nicht mehr allein bei den obersten Zehntausend.

Tageszeitungen lieferten „druckfrische“ Infos als Massenware

Die Rotationsdruckmaschine gehörte zu den Errungenschaften der Moderne, die ab 1846 für eine starke Beschleunigung des Buchdrucks sorgte. Nachdem diese Maschine zunächst jeden Papierbogen einzeln bedruckte, fütterte William Bullock sie im Jahr 1863 endlich mit Rollenpapier. Damit wurde zunächst der Ausdruck von 8.000 Kopien pro Stunde möglich, eine ungeheure Zahl für damalige Verhältnisse! Wir haben es also mit der ersten Druckmaschine für Großauflagen zu tun, die mit rotierendem Zylinder lärmend ihr Werk verrichtete. Im Jahr 1939 meldete die Times einen Höchstrekord: Die redaktionseigene Rotationsmaschine spuckte eine Auflage von 40.000 Exemplaren aus, und das bei immerhin 32 Seiten pro Stück.

Bild von 0vlic0 (Author), https://www.flickr.com/photos/56385884@N07/9014607261

Die Entwicklung ist längst noch nicht beendet: 1971 kam der Laserdruck ins Spiel, der 20.000 Zeilen pro Minute produzierte und im Laufe der Jahre jedem einigermaßen solventen Bürger zugänglich wurde. Und jetzt steht auch noch der 3D-Druck vor der Tür, der uns plastische Dinge liefert, am Computer entworfen und von dort aus in die Realität umgesetzt. Inzwischen drucken Spezialisten sogar schon ganze Häuser aus. Was als Nächstes kommt? Keine Ahnung, aber wir werden es erleben!